Am Sonntag stand für unsere zweite Mannschaft der zweite Mannschaftskampf der Saison an. Diesmal empfingen wir Jever im Haus der Jugend. Beide Mannschaften traten nahezu in Bestbesetzung an. Für mich bedeutete das eine ungewohnte Rolle: Statt selbst am Brett zu sitzen, durfte ich ausnahmsweise den Cheerleader spielen.
Zwar war Sina kurzfristig beruflich verhindert, doch zu unserer großen Freude kehrte unser ehemaliger Vereinskollege Maksym überraschend in die Mannschaft zurück.
Maksym, der für Brett 8 nachgemeldet worden war, sorgte auch gleich für den ersten halben Punkt. Er probierte neue Eröffnungen aus und hielt seine Stellung sicher. Allerdings entwickelte sich die Partie recht unspektakulär: Die Stellung wurde schnell symmetrisch, sodass sich beide Spieler schließlich auf Remis einigten. 0,5:0,5.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits einige Zeit vergangen, und es deutete sich ein langer Spieltag an. Noch war völlig offen, an welchen Brettern wir punkten könnten. Maik und Frank hatten jeweils einen Bauern weniger, während die übrigen Stellungen aus Sicht des Laien mal mehr, mal weniger ausgeglichen wirkten. Langsam zogen dunkle Wolken auf.
Zwei Dinge sprachen jedoch für uns: Zum einen hatten wir an nahezu jedem Brett einen deutlichen Zeitvorteil. Zum anderen sicherten Enno und Heiko kurz hintereinander jeweils ein Remis an den beiden Spitzenbrettern der Jeveraner. Gerade das Remis gegen FM Schian war aus taktischer Sicht besonders wertvoll. 1,5:1,5.
Nun nahm der Mannschaftskampf richtig Fahrt auf. Steffen überspielte seinen Gegner an Brett 3 mit großer Präzision und brachte uns erstmals in Führung. 2,5:1,5.
Maik, der seit der Eröffnung schlechter gestanden hatte, verfügte plötzlich über zwei Türme auf der siebten Reihe und einen gefährlichen Mattangriff. Sein Gegner musste schließlich so viel Material aufgeben, dass die Partie nicht mehr zu retten war. 3,5:1,5.
Bei Frank nahm die Partie leider den umgekehrten Verlauf. Aus seinem Minusbauer wurde nach und nach eine Minusfigur und schließlich eine Niederlage. Das passiert den Besten! Immerhin war Frank zuvor fast eineinhalb Jahre ungeschlagen geblieben. 3,5:2,5.
Nun lag es an Thomas und Carsten, den Sack zuzumachen. Thomas hatte bereits in der vergangenen Saison eindrucksvoll gezeigt, wie kreativ und sehenswert sein Schach sein kann: Mit einer makellosen Ausbeute von 100 % überzeugte er auf ganzer Linie. Im letzten Mannschaftskampf war ihm allerdings nach rund 60 starken Zügen ein folgenschwerer Ausrutscher unterlaufen.
Doch das änderte nichts daran, wie faszinierend das königliche Spiel sein kann, wenn Thomas die Figuren führt. Die folgende Stellung und der anschließende Partieverlauf liefern dafür ein eindrucksvolles Beispiel.
Thomas überspielte seinen Gegner anschließend mit der gewohnten Souveränität und unterstrich einmal mehr seine starke Form. Damit war der Mannschaftssieg gesichert. 4,5:2,5.
Carsten kämpfte unterdessen noch lange in einem Damenendspiel. Zwischenzeitlich stand er auf Gewinn, doch die Stellung blieb kompliziert. Nach mehr als sechs Stunden endete schließlich auch das letzte Duell mit einem Remis. 5:3.
Insgesamt war es ein wirklich zufriedenstellender Sieg. Dass wir Jever nicht wie in der vergangenen Saison mit 6,5:1,5 überrennen würden, war abzusehen. Schließlich begegnen uns die Jeveraner sowohl menschlich als auch hinsichtlich ihrer DWZ auf Augenhöhe. Umso mehr freut es mich als Mannschaftsführer, dass wir uns trotz zwischenzeitlich schwieriger Ausgangslage in diesen Mannschaftskampf hineingebissen und uns die zwei Mannschaftspunkte redlich verdient haben. Damit beenden wir den zweiten Spieltag als Tabellenführer!
Für mich bleibt außerdem die Erkenntnis, dass ich als Zuschauer mindestens genauso angespannt bin wie am Brett. Deshalb freue ich mich darauf, am 15. November in Osnabrück wieder selbst die Figuren in die Hand nehmen zu dürfen!
