SK Union Oldenburg gewinnt den niedersächsischenMannschaftspokal!

Am ersten Juni-Wochenende traten wir in Varrel bei Stuhr zum Bremer und Niedersächsischen Mannschaftspokal an. Das Gut Varrel bot einen fantastischen Rahmen für das Turnier, es stand reichlich Platz zur Verfügung und selbst benachbart stattfindende Hochzeiten und eine Hundeausstellung störten nicht im Geringsten. Minimalziel war Platz 3 für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, aber selbst dafür gab es angesichts 7 angetretener Oberligamannschaften starke Konkurrenz.

Los ging es am Freitag mit der Auftakthürde Buchholz. Der Klassenunterschied trat deutlich zu Tage: Sebastian demolierte am Spitzenbrett schnell mit Weiß die gegnerische Königsstellung:

Nach 16. h5 war die Stellung bereits gewonnen, selbst der Damentausch nach 16. …Lxc3+ 17. Txc3 Dxd1+ 18. Lxd1 Sd5 19. Tch3 führt zu entscheidendem Angriff auf der h-Linie. 

Dirk an Brett 2 sammelte mit Schwarz Bauern ein und gewann im Endspiel. Berthold hatte einen Mehrbauern, für den sein Gegner lange ausreichende Kompensation besaß, bevor er Berthold die Aktivierung seines Königs gestattete und die Verteidigung zusammenbrach. Lediglich Ernst kam gegen seinen stark kämpfenden Gegner nicht durch, damit hieß es 3,5:0,5 für Union. Durchaus wichtig, hoch zu gewinnen, da es nach 5 Runden sehr oft auf die Zweitwertung Brettpunkte ankommt.

Am Samstag ging es los mit dem Derby gegen Bad Zwischenahn. Die Ammerländer sind nie zu unterschätzen, während wir unsere beiden nach ELO stärksten Spieler schonten – für Dirk und Berthold spielten Max und Marc. Ersterer erzielte die schnelle Führung. 

Max hatte sich auf einen Bauernraub in der Eröffnung vorbereitet und überwältigende Kompensation erzielt. Nach 14. …Dxc6 hoffte Schwarz auf Damentausch nebst Rückgewinn des Bauern auf b5, wonach Schwarz mit Tc8 das Schlimmste überstanden hat. Es folgte aber stattdessen der starke Schlüsselzug 15. Dd3! Weiß kann sich trotz Minusbauer leisten, langsam die Reserven heranzuführen, da Schwarz die Figuren nicht rechtzeitig herausbekommt. Nach 15. …a6 16. Le3 Sh6? 17. Lxh6 gxh6 18. Se4 (droht vernichtend Sd6+ und wenn der Se7 zieht, Sxf6+!) Kf7 19. Db3+ Kg7 20. Sd6 Tg8 21. Df7+ Kh8 22. Dxf6+ Tg7 kam der Schlusszug 23. Tac1! Die Dame hat nur 2 Felder (a7 und d7), aber auf beiden fällt sie einem Abzugsschach zum Opfer.

Sebastian am Spitzenbrett spielte eine starke Positionspartie, neutralisierte die gegnerische Initiative cool und nutzte schließlich die entstandenen Bauernschwächen zum Sieg. Marc, der im Mittelspiel unter Druck gestanden hatte, sich dann herauswand und die Partie im Endspiel drehte, und Ernst, der nach langem Manövrieren am Ende eine Lücke fand, vervollständigten den zu hoch ausgefallenen 4:0 Erfolg. Damit grüßten wir von der Tabellenspitze – wer hätte gedacht, dass das bis zum Turnierende so bleiben würde!

Währenddessen verlor der große Favorit Werder Bremen, die mit 4 IMs angetreten waren, überraschend gegen Uelzen. Damit war klar, dass das Ziel sein musste, ihnen quasi „davonzulaufen“. Denn bei einer Niederlage drohte, zur Strafe gegen Werder gelost zu werden und die Qualifikationsplätze außer Reichweite zu geraten.

In der dritten Runde zogen wir die „Sharp Dressed Men“ vom SK Lehrte. Wir traten in Bestbesetzung an und es entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf. Sebastian hatte in einer bekannten Endspielvariante des Damengambits den üblichen symbolischen Vorteil, es war aber sehr schwer Fortschritte zu erzielen und der Remisschluss mit dem starken FM Stelmaczyk eine logische Folge. Max tauschte mit Schwarz schnell das meiste weg und hatte mit dem besseren Läufer das minimal angenehmere Endspiel, kam aber auch nicht weiter und machte ebenfalls remis. Dasselbe Ergebnis gab es in einem positionell anspruchsvoll geführten Franzosen bei Dirk, der seinen Minusbauer mit weißfeldriger Kontrolle kompensierte, aber auch die Stellung nicht entscheidend weiterentwickeln konnte. Damit hing das Mannschaftsergebnis an Berthold, der aber positionell im Partieverlauf immer mehr unter Druck geriet. Zu unserem Glück konnte sein Gegner den Druck nicht in eine Gewinnstellung ummünzen. Stattdessen kam es wie so oft und ihm unterlief selbst der entscheidende Patzer, den Berthold dann souverän zum glücklichen 2,5:1,5 Siegtreffer nutzte.

Berthold hat hier das Schlimmste überstanden und wieder Ausgleich erzielt. Schwarz wollte mit 31. …Tc8?? noch einen Abzug drohen, stellte sich damit aber in eine Fesselung und nach 32. Ld4 Tc7 33. Tc1 gibt es bereits keine Rettung mehr.

Nach 3 Runden lagen wir damit nach Mannschaftspunkten alleine vorne und bekamen es in Runde 4 mit Uelzen zu tun, in Anbetracht der Umstände ein machbares Los. Der Kampf lief allerdings eher für unsere Gegner. Sebastian hatte am Spitzenbrett nie Ausgleich und kam dann relativ deutlich unter die Räder. Dirks Gegner hatte eine ganze Qualität gegeben, spielte danach aber sehr stark und Dirk versuchte, mit einem objektiv verlorenen Gegenopfer den Trend zu stoppen, stand danach aber klar auf Verlust. Ebenfalls klar auf Verlust stand Ernst, dessen Gegner mit dem Läuferpaar und mehreren Bauernhebeln Druck auf dem ganzen Brett machte. Max hingegen übernahm im späten Mittelspiel die Initiative und konnte ein gewonnenes Läuferendspiel erreichen.

Wieder war uns aber das Kampfesglück hold: Dirks Gegner verlor in der Zeitnot die Übersicht und erlaubte das entscheidende Eindringen seiner Schwerfiguren. Ernst kämpfte sich in ein haltbares Endspiel zurück und erreichte schließlich noch den Remishafen, und Max gewann sein Endspiel und sicherte damit den erneuten 2,5:1,5 Erfolg.

Manchmal ist Taktik wichtiger als die Bauernstruktur. Hier hätte Schwarz mit 34. …fxe4 zurücknehmen müssen, um dem Turm zu erlauben, die Grundreihe über die f-Linie zu verteidigen. Nach 34. …Txe4?? 35. Tdd8 sitzt wieder Weiß am klar längeren Hebel.

Damit hatten wir nach 4 Runden nach wie vor eine weiße Weste. Auf Platz 2 lag Hameln als einzige Mannschaft mit 7 Punkten, wodurch bereits klar war, dass der Turniersieger in dieser Begegnung ausgespielt wird und uns ein Unentschieden reichen würde. Würden wir verlieren, war es sehr wahrscheinlich, auch von Werder noch überholt zu werden und man musste hoffen, dass es nach Brettpunkten für den dritten Platz reichen würde.

Diesmal lief der Kampf sehr gut für uns an. Sebastian baute eine gewinnversprechende Angriffsstellung auf, Dirk konnte seine Schwarzpartie daher früh remis geben. Max stand mit dem Läuferpaar risikolos leicht besser und auch Marc kam mit leichtem Vorteil aus seiner Schwarzeröffnung. Aber dann schien es, als hätten wir unser Schlachtenglück in Runde 3 und 4 aufgebraucht. Zwar griff Max‘ Gegner im Bestreben, die Stellung forciert auszugleichen, fehl und verlor:

Nach einem Zug wie 24. …Dc7 war nicht sonderlich viel los, Schwarz sollte den leichten Druck auf den Damenflügel durch den katalanischen Läufer problemlos aushalten. Stattdessen folgte …b5?? 25. axb5 Tb8 26. Lxc6! Und Schwarz stellte konsterniert fest, dass das geplante Dxc6 scheitert, weil der c-Bauer danach durchläuft. 

Allerdings wurde Marc ausgekontert und landete in einem verlorenen Bauernendspiel. Bei 1,5:1,5 hing es an der Partie von Sebastian. Er hatte im Mittelspiel verpasst, seinen Angriff mit dem Gewinn zu krönen, dann eine Figur verloren, diese wiedergewonnen und es ergab sich ein Endspiel mit Minusbauern. Die verbliebenen Oldenburger konnten das 1,5-stündige Drama nicht mit ansehen und tigerten ziellos übers schmucke Gelände oder lenkten sich mit der Übertragung des Tennisfinals ab. 

Das besagte Endspiel …

Sebastian aber blieb cool wie der personifizierte Iceman und hielt das Endspiel souverän. Damit endete der Kampf 2:2 und der Titel geht nach 20 Jahren wieder einmal nach Oldenburg. Auch die Hamelner bekamen aber ein Trostpflaster – die Verfolger Uelzen und Lehrte trennten sich ebenfalls 2:2 und damit blieb den Rattenfängern der Bronzerang und ebenfalls die Qualifikation für die deutsche Pokalmeisterschaft.

Insgesamt war aufgrund einiger Spielverläufe und der Tatsache, nicht gegen Werder oder Nordhorn gelost zu werden, auch das notwendige Quentchen Glück dabei. Entscheidend war aber, dass wir gezeigt haben, warum das Oldenburger Oberligateam in knappen Kämpfen so oft performt: Teamgeist, Coolness unter Druck und Ausgeglichenheit. Jetzt gilt es, den Rückenwind in die Saison mitzunehmen – und natürlich den Verein auf deutscher Pokalebene würdig zu vertreten. Los geht es am 16./17. Januar 2027 mit der Vorrunde.

(Bericht von Max)