Kurz vor dem Start in die neue Saison haben wir mit Tim und Tobias, den beiden Mannschaftsführern unserer dritten Mannschaft, gesprochen. Dabei teilen sie sich die Aufgaben: Tim kümmert sich vor allem um die längerfristige Organisation und Spielerplanung, während Tobias am jeweiligen Spieltag die Verantwortung übernimmt. Im Doppelinterview sprechen sie über ihre Zusammenarbeit, die Ziele der Dritten und die Herausforderungen einer Saison, in der Tim voraussichtlich häufiger für die zweite Mannschaft auflaufen wird.
Wie kam es, dass die dritte Mannschaft nun zwei Mannschaftsführer hat?
Tim: „Johannes, der diesen Job bisher gemacht hat, zieht weg. Die Suche nach einem neuen Mannschaftsführer endete schnell bei Tobias, welcher allerdings noch relativ neu im Verein ist, und daher entstand die Idee, dass ich bei menschlichen Aspekten und der Spielereinschätzung für die Setzliste helfen kann. Die jeweiligen Aufstellungen der einzelnen Spieltage erledige ich, da ich als Mannschaftsführer der zweiten eh die meisten Stammspieler der Dritten frage, falls ich Reservespieler brauche, das also sonst doppelte Arbeit wäre“
Tobias: „Ich bin Tim sehr dankbar dafür, dass er den Großteil der organisatorischen Aufgaben übernimmt und ich dann mit vollem Einsatz am jeweiligen Spieltag dem Team so gut wie möglich helfen kann. Am Ende profitiert von dieser Aufteilung sowohl die zweite Mannschaft als auch die dritte Mannschaft, weil Absprachen und die Zusammenarbeit deutlich einfacher werden“
Mit welchem Gefühl geht ihr mit der dritten Mannschaft in die neue Saison?
Tim: „Mit einem guten. Ich glaube, die Mannschaft hat immenses Potential, perspektivisch am Aufstieg schnuppern zu dürfen“
Tobias: „Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern, die schon viele Punkte für den SK Union geholt haben und relativ neuen Spielern, die ebenfalls vielversprechend sind. Ich traue diesen Spielern zu, dass sie um den Aufstieg mitspielen.“
Wie blickt ihr auf die vergangene Saison zurück? Was lief gut und wo seht ihr noch Entwicklungspotenzial?
Tim: „Sportlich recht neutral. Wir haben gegen die Mannschaften gewonnen, die uns auf dem Papier klar unterlegen waren, und gegen die verloren, die auf dem Papier besser waren. Es war von vorne hinein klar, dass wir nicht absteigen, aber auch nicht aufsteigen, da Hümmling um Welten zu stark war. Die Probleme lagen oft neben dem Brett. Die Anzahl der leergebliebenen Bretter war viel zu hoch, es gab oft Probleme, Fahrer zu Auswärtskämpfen zu finden, und die Organisation war daher oft eher das Problem als das schachliche Know-How. Das versuchen wir dieses Jahr sauberer zu gestalten“
Tobias: „Das wird in dieser Saison besser werden. Die meisten der leergebliebenen Bretter wären vermeidbar gewesen und es ist besonders schade für eine motivierte Mannschaft, wenn sie bereits mit ein oder zwei Punkten Rückstand in eine Partie geht. Bei nur 6 Brettern macht das viel aus“
Wie hat sich die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison verändert? Gibt es Neuzugänge oder andere personelle Veränderungen?
Tim: „Wir sind nominell deutlich gewachsen. Barakat und Alfonso spielen nun nicht erst als Nachmeldungen, Kilian, Marius und Dennis sind ganz neu im Verein, Tim Cofala ist nach zwei Jahren Abwesenheit auch wieder dabei. Im Kontrast dazu ist Johannes der einzige zu verzeichnende Abgang. Wir sind quasi so viele, dass es spannend wird, ob jeder auf seine Kosten kommt, es gibt immerhin nur sechs Bretter zu besetzen. Perspektivisch auch spannend sind die ersten Talente aus Marcels Bemühungen in der Jugendmannschaft und im Jugendtraining. Gerade dortige Entdeckungen wandern langsam aus der Jugendmannschaft Richtung 3. Mannschaft. All diese Trend lassen mich vermuten, dass wir bei konstanter Motivation und ohne unnatürlich viele Abgänge nächste Saison die dritte Mannschaft in zwei Mannschaften splitten werden. So können alle wieder auf ihre Kosten kommen und auch spielen, wenn sie möchten, gleichzeitig wird in der Jugendmannschaft dann neuen Spielern Platz gemacht, wenn die routinierteren Jugendlichen aufrücken. Aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt alles erstmal Zukunftsmusik, dafür müssen wir erstmal eine gute Saison spielen.“
Wie würdet ihr die Mannschaft aktuell einschätzen – wo liegen ihre größten Stärken und wo könnte es schwierig werden?
Tim: „Letzte Saison war unser größter Vor- aber auch Nachteil, dass wir oft mit sechs Spielern aufgelaufen sind, die alle ca. 1600 DWZ hatten. Das ist ein immenser Vorteil auf den Hinteren Brettern, bei denen der Ligaschnitt ca. 1400 DWZ betrug, aber gleichzeitig auch ein Nachteil an Brett 1 & 2, wo der DWZ-Schnitt bei 1800 bzw. 1700 DWZ lag. Diese Saison sieht das anders aus: Kilian, Sebastian, Barakat, Tim Cofala und Andre heben sich von dem angesprochenen Schnitt ab, gleichzeitig bleiben wir an den hinteren Brettern konstant stark. Das macht uns sehr gefährlich in dieser Saison.“
Tobias: „Auch Alfonso verstärkt uns sehr an den oberen Brettern, wenn er nicht in der 2. Mannschaft spielen muss.“
Welche sportlichen Ziele habt ihr euch für die kommende Saison gesetzt? Gibt es eine Platzierung, mit der ihr zufrieden wärt?
Tim: „Ich bin sonst Pessimist, aber ich kann mich mit dem Ziel, aufzusteigen, anfreunden. Das hängt allerdings auch von der Konkurrenz ab, noch ist fragwürdig, wie stark diese wirklich ist, ob es Überraschungs-Zugänge wie bei Hümmling letzte Saison gibt, und wie insbesondere Konkurrent Vechta 2 nominell aussieht, nachdem ihre erste Mannschaft einige tragende Kräfte verloren hat, was dazu führen wird, dass einige Spieler aufrücken müssen.“
Tobias: „Aufstieg.“
Gibt es Spieler, bei denen ihr in dieser Saison besonders gespannt auf die Entwicklung oder die Ergebnisse seid?
Tim: „Natürlich sämtliche Neuzugänge und aufsteigende Junioren, aber ich persönlich finde auch immer spannend, welche Leistungen die „alten Hasen“ abrufen.
Tobias: „Neben den Ergebnissen der voraussichtlichen Stammspieler interessieren mich besonders die Spiele derjenigen, die als Ersatz aushelfen werden, wenn sie gebraucht werden. Denn bei einer ganzen Saison kommt es auf alle im Team an.“
Tim, du kümmerst dich vor allem um die Organisation und die längerfristige Spielerplanung. Was gehört dabei konkret zu deinen Aufgaben?
Tim: „Vorbereitung der Setzliste, die konkreten Aufstellungen, Kommunikation mit anderen Mannschaftsführern zur Spielverlegung, Nachmeldungen, und alles weitere Organisatorische“
Tim, da du perspektivisch häufiger für die zweite Mannschaft spielen wirst, kannst du nicht bei jedem Spiel der Dritten dabei sein. Wie beeinflusst das deine Planung?
Tim:„Gar nicht, ich bin mir sicher, dass der Rest der dritte einen guten Job macht, auch wenn ich nicht physisch anwesend bin. Das ist ein toller Mix aus jungen und erfahrenen Schachspielern, ich habe da keine Bedenken, dass das auch am Brett gezeigt wird. Dennoch freue ich mich, bei gemeinsamen Heimspielen auch mitfiebern zu können“
Tim, wie schwierig ist es, frühzeitig einen verlässlichen Kader zu planen, wenn gleichzeitig die zweite Mannschaft Spieler aus der Dritten benötigen könnte?
Tim: „Man plant halt mit Reservespielern. Das wird leider auch weiter ab und zu die Vorbereitung einiger Personen crashen, die dann aufgrund von Nachrücken die andere Farbe und andere Gegner spielen werden. In der Regel habe ich die Aufstellungen allerdings schon einige Wochen vor dem Spieltag fertig, so dass nur Krankheitsfälle oder akute Notfälle die Planung sprengen. Und bei solchen gehört es als Mannschaft auch dazu, sich diesen so gut es geht anzupassen.“
Tim, nach welchen Kriterien entscheidest du, welche Spieler für die einzelnen Mannschaftskämpfe eingeplant werden?
Tim: „Eine Frage, die sich in der Vergangenheit nicht stellte, diesmal aber relevant werden könnte, wenn deutlich mehr Spieler spielen wollen als spielen können. Primär natürlich Spielstärke, da allerdings große Teile des Kaders eine ähnliche Spielstärke aufweisen, werde ich nicht radikal nach DWZ entscheiden, sondern auch nach Verlässlichkeit priorisieren, eben, um die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen möglichst klein zu halten“
Tobias, du übernimmst am jeweiligen Spieltag die Verantwortung für die Mannschaft. Wie sieht deine Rolle vor, während und nach einem Mannschaftskampf aus?
Tobias: „Ich freue mich auf die neue Rolle als Mannschaftsführer. Insgesamt möchte ich sicherstellen, dass die Mannschaftskämpfe reibungslos ablaufen können. Besonders bei Auswärtsfahrten ist es wichtig, dass wir uns gut koordinieren und wir vollständig, pünktlich und spielbereit beim Auswärtsspiel sind. Aber auch bei den Heimspielen muss vor dem Beginn alles aufgebaut werden und ich stehe als Ansprechpartner bereit. Während des Mannschaftskampfes fallen die klassischen Aufgaben an, es müssen Ergebnisse aufgeschrieben werden, Regelfragen und Konflikte gelöst werden und ich versuche natürlich auch den Überblick zu behalten.
Tobias, wie schaffst du es, dich auf deine eigene Partie zu konzentrieren und gleichzeitig die gesamte Mannschaft im Blick zu behalten?
Tobias: „Oh was? Ich muss auch noch spielen? Davon hat mir Tim nichts gesagt!“
Tobias, welche Atmosphäre möchtest du innerhalb der Mannschaft während eines Spieltags schaffen?
Tobias: „Am Ende des Tages sollen sich alle wohl fühlen. Wir wissen alle wie hart Schach sein kann und auch, dass wir meistens selbst die größten Kritiker unserer eigenen Leistung sind. Deshalb möchte ich eine Atmosphäre, die jedem Spieler ermöglicht die bestmögliche individuelle Leistung zu zeigen und die uns gleichzeitig als Team zusammenbringt. Unsachliche Kritik oder ein nicht wohlwollender Umgang haben hier nichts zu suchen.“
(Das Interview wurde durchgeführt von Tim Bohlemann.)


Tolles Interview. Viel Erfolg der Dritten beim Aufstiegsvorhaben!