Kurz vor dem Start in die neue Saison haben wir mit Marcel, dem Captain unserer vierten Mannschaft, gesprochen. Die Vierte ist zugleich unsere Jugendmannschaft und bietet jungen Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit, erste Erfahrungen im regulären Mannschaftsbetrieb zu sammeln. Im Interview spricht Marcel über die Entwicklung des Teams, den Umgang mit unterschiedlichen Spielstärken und darüber, was für ihn eine erfolgreiche Saison ausmacht.
Marcel, die neue Saison steht vor der Tür – mit welchem Gefühl gehst du mit der vierten Mannschaft in die kommenden Spiele?
Da wir noch keinen Spielplan bis jetzt bekommen haben, sind die gegnerischen Mannschaften und deren Aufstellung noch unbekannt und so überwiegt die Neugierde auf die noch folgenden Spielpaarungen. Leider gibt es zurzeit im Bezirk etwas Verzögerung. Das wird sich in den nächsten 14 Tagen allerdings wohl zeigen, wer wo spielt und mit wem wir es zu tun bekommen. Zumal es seit langer Zeit eine neue Bezirksklasse Nord-West geben soll. Das lässt Hoffnung auf eine interessante Saison aufkommen.
Wie blickst du auf die vergangene Saison zurück? Was hat die Mannschaft bereits gut gemacht und wo siehst du noch Entwicklungspotenzial?
Letzte Saison haben wir erfolgreich drei neue Jugendspieler an die Turnierpraxis und an die Mannschaft herangeführt. Leider haben wir eine Personalie verloren, welche das Interesse nicht aufbringen konnte, sich in dem Schachsport weiterzuentwickeln. Das gehört auch dazu. Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit der gesamten Entwicklung.
Die vierte Mannschaft ist zugleich unsere Jugendmannschaft. Was unterscheidet die Aufgabe als Captain einer solchen Mannschaft von der Führung eines gewöhnlichen Erwachsenenteams?
Ich frage mich gerade, was ein gewöhnliches Erwachsenenteam beim Schach sein kann. Ja, natürlich gibt es unterschiede bei einem Kinder und Jugendteam. Im Focus stehen eine gute Vereinsarbeit und somit eine intensive Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Das fängt bei dem wöchentlichen Training an und belohnt die Kinder, welche sich für die Mannschaft qualifizieren mit zusätzlicher Spielpraxis und Turniererfahrung. Die mentale Arbeit dabei ist nicht zu unterscheiden. Die Frustrationstoleranz ist hier als ein Beispiel mit Partieanalysen und Motivationsreden zu steigern. Die Kinder und Jugendlichen werden merken, dass es beim Schachsport weiterhin viel zu lernen gibt. Und je länger diese dabei sind und je mehr Turniererfahrung gesammelt wird, desto besser werden sie werden. Erste Erfolge sehen wir in der laufenden Vereinsmeisterschaft: In der in Runde 2 hat bis jetzt ein Kind einen Erwachsenen besiegen können und ein anderes ein Unentschieden gegen einen DWZ 1737er erreicht. Das finde ich einfach super toll, solche Momente mit erleben zu können und sich gemeinsam zu freuen.
Welche sportlichen Ziele habt ihr euch für die kommende Saison gesetzt? Spielt der Tabellenplatz dabei überhaupt eine große Rolle?
Da wir weiter neue Kinder mit in die Mannschaft integrieren, ist der Tabellenplatz eher zweitrangig. Wir möchten die Begeisterung für den Schachsport bei den Kindern wecken, der so viele Vorteile für uns jeden persönlich aber auch für den Verein hat.
Was ist dir wichtiger: möglichst viele Mannschaftspunkte zu holen oder möglichst vielen Jugendlichen Spielpraxis zu ermöglichen? Wie findest du die richtige Balance?
Es wäre schön viele Mannschaftspunkte zu sammeln, aber ich sehe da noch viel Entwicklungsarbeit und denke diese Saison wird es noch etwas zu früh sein, wirklich auf Mannschaftspunkte Jagd zu gehen. Deswegen steht die Spielpraxis neben dem Vereinsleben hauptsächlich im Vordergrund.
Wie hat sich die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison verändert? Gibt es neue Spielerinnen oder Spieler, auf die du besonders gespannt bist?
Wir haben so viele Kinder neu in der 4.Mannschaft gemeldet, wie seit Jahren nicht mehr. Also eine positive Entwicklung des letzten Jahres in der Jugendarbeit erreicht. Der Verein wächst und wir alle, die an der Jugendarbeit mitwirken, können Stolz auf uns sein. Vielen Dank an dieser Stelle an das Team Jugendarbeit! Besonders gespannt bin ich auf die Entwicklung der eingesetzten Kinder und Jugendlichen, leider kann ich nicht alle spielen lassen, weil es in der Liga nur vier Bretter pro Spieltag gibt. Ich denke allen voran sind Malte, Yavuz, Maximilian und Finn unsere erste Wahl. Nach den ersten Spieltagen werden wir sehen, wie konstant die Mannschaft ist und ob wir weitere Verstärkung aus der Kinder- und Jungendarbeit benötigen. Ich freue mich besonders auf den ersten Tag zu Hause.
Welche Entwicklung möchtest du bei den Jugendlichen im Laufe der Saison besonders sehen – unabhängig von Ergebnissen und DWZ-Zahlen?
Es wäre schön zu sehen, wie sich die Kinder Zeit nehmen, und Varianten, Kandidatenzüge etc… berechnen und Taktiken sehen, die Drohungen des Gegners entkräften und richtig gut gegenhalten können und dadurch auch den einen oder anderen persönlichen Sieg erkämpfen können. Das motiviert und wirkt intrinsisch nach.
Wie bereitest du junge Spieler auf ihren ersten Einsatz im Erwachsenen-Spielbetrieb vor?
Es wird sich zeigen, ob wir Zeit finden die Gegner im Vorfeld zu analysieren und unsere Partien mit den jeweiligen Farben in eine Richtung zu lenken. Auf jeden Fall werde ich mit den Kindern vorher sprechen und Ihnen sagen, dass auch eine Niederlage für Sie ein Gewinn ist. Wir trainieren wöchentlich in unserem Training. Die Praxis und die Möglichkeit eine erste Wertungszahl zu bekommen ist ein Ziel, das nur durch Turnierpartien spielen möglich ist. Dann kann im Nachgang an der Schachkompetenz weitergearbeitet werden.
Welche Rolle möchtest du als Mannschaftsführer am Spieltag einnehmen – vor, während und nach den Partien?
Gerne bin ich als Betreuer und Trainer für Sie vor und nach dem Spieltag da. Allerdings sind die Kinder so weit, dass Sie genug gelernt haben mit Niederlagen umzugehen und haben großes Entwicklungspotential. Das werde ich Ihnen jedes Mal wieder mit auf den Weg geben. Während der Partie kann ich wenig tun. Wenn die Kinder mich als Betreuer und Mentor im Schachsport sehen, bin ich sehr glücklich. Das muss aber nicht sein,
Wie wichtig ist es dir, dass die Jugendlichen ihre Partien nach dem Mannschaftskampf gemeinsam analysieren und voneinander lernen?
Sehr wichtig. Das Umfeld gemeinsam wachsen zu können und ein gesundes Vereinsleben zu entwickeln bietet eine gemeinsame Analyse der Partien an. Diese werden wir auch bei dem Trainingsstunden durchführen.
Welche Bedeutung hat die vierte Mannschaft für die langfristige Entwicklung des Vereins?
Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft des Vereines. Dies hat sehr großes Potenzial für den Verein als Ganzes. Je besser wir in der Kinder- und Jugendarbeit aufgestellt sind, desto eher werden wir als Verein auch vor neuen Herausforderungen gestellt werden. Da denke ich an weitere qualifizierte Leistungstrainer, die zeitlich flexible eingesetzt werden können, aber auch an externe Sponsoren, um wirklich weitere Schachsporterlebnisse bieten zu können.
Woran merkst du, dass ein Jugendlicher bereit ist, künftig auch in einer höheren Mannschaft eingesetzt zu werden?
Ich denke die einzelnen Wertungszahlen werden in der Zukunft für sich sprechen und die Mannschaftsführer der oberen Mannschaften werden von allein auf die Kinder und Jugendlichen aufmerksam werden. Das ergibt sich von allein. Dann sehen wir weiter, ob die einzelnen Spieler dies auch möchten.
Was muss passieren, damit du am Ende der Saison sagen kannst: „Das war eine richtig gute Saison für unsere Vierte“?
Eine richtig gute Saison wäre es für mich, wenn wir einen wirklichen Teamgeist geschaffen haben, das heißt wir alle haben an unseren Zielen im Schachsport weitergearbeitet und möchten die Mannschaft mit unseren Einsätzen weiterbringen. Da wird uns der eine oder andere Sieg sicherlich weiterhelfen, aber auch wenn wir keinen einzigen Sieg erringen, dann möchte ich als Mannschaft gewachsen sein und die Kinder und Jugendlichen sich gerne für den Schachsport Zeit nehmen und ein tolles Hobby für sich gefunden haben.
(Das Interview wurde durchgeführt von Tim Bohlemann.)

