Interview mit dem Captain der 2. Mannschaft

Kurz vor dem Start in die neue Saison haben wir mit Tim Bohlemann, dem Captain unserer zweiten Mannschaft gesprochen. Im Interview geht es um die Ziele für die kommende Spielzeit und die Frage, wie er die Mannschaft aktuell einschätzt. Außerdem verrät er, worauf es in dieser Saison besonders ankommen wird und was er sich persönlich für das Team wünscht.

 

Tim, die neue Saison steht vor der Tür – mit welchem Gefühl gehst du mit der zweiten Mannschaft in die kommenden Spiele?

„Generell mit einem guten, aber ich denke auch realistischen Gefühl. Ich denke, über die letzten Jahre sind wir als Mannschaft zusammengewachsen, und glaube, dass wir auch diese Saison weiter wachsen können.“

Wie blickst du auf die vergangene Saison zurück? Was lief gut und wo gibt es aus deiner Sicht noch Luft nach oben?

„Die letzte Saison war tabellentechnisch sehr chaotisch. Wir hatten noch am vorletzten Spieltag sowohl Chancen auf den Auf- als auch Abstieg. Wir hatten im direkten Ligavergleich die zweitniedrigste eingesetzte Durchschnitts-DWZ, weswegen ein Platz 6 aus 10 durchaus als Erfolg verzeichnet werden kann, auch wenn es natürlich noch einiges an Potential auszuschöpfen gibt. Wir haben gezeigt, dass wir nahezu jeder Mannschaft gefährlich werden können, selbst an Spieltagen, an welchen wir auf dem Papier mit starken Nachteilen angetreten sind. Wir konnten ebenfalls eine komplette Saison ohne Leerbretter verzeichnen, was mich persönlich sehr glücklich stimmt. Allerdings war auch festzustellen, dass wir an drei Spieltagen 4 oder mehr Ausfälle von Stammspielern verzeichnen mussten. In diesen Größenordnungen ist es sowohl schwierig mit dem Verbandsliga Niveau mitzuhalten (sämtliche Reservespieler erzielten diese Saison nur 0,5/11, auch wenn das eine Remis ein großartiges Resultat war, bei dem Michael seinen 600 Punkte stärkeren Gegner von einem Punktgewinn abhielt) als auch Rücksicht auf die dritte Mannschaft zu nehmen. Ich denke allerdings, dass unsere Neuzugänge uns hier in der kommenden Saison helfen können.“

Wie hat sich die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison verändert? Gibt es Neuzugänge oder andere Veränderungen im Team?

„Zuerst einmal verlassen uns unsere langjährigen Mitglieder Johannes und Alvaro aufgrund von Umzügen. Ich möchte beiden für ihre Einsätze in der Vergangenheit danken. Unsere Neuzugänge sind in meinen Augen vielversprechend, polstern aber vor allem in ihrer Spielstärke die Lücke zwischen zweiter und dritter Mannschaft aus: Barakat und Kilian sind beides spannende Talente, welche sich beweisen können (und bereits konnten). Tim Cofala kommt nach einer privaten Auszeit als Reservespieler zurück, und Enno wird uns ebenfalls unterstützen, wenn er nicht für die erste Mannschaft spielt.

Der absolute Kern letzter Saison bleibt erhalten. Mit Sina, Heiko, Thomas, Maik, Carsten, Frank und mir haben wir einen Kern an Stammspielern, der nicht nur Schach spielen kann, sondern auch verlässlich aufläuft. Ergänzen wir dies mit einer deutlich verstärkten Reservebank um Barakat, Alfonso, Sebastian, Michael, Kilian und Tobias, so habe ich große Hoffnungen für nächste Saison, ebenfalls eine konsistentere Spielstärke an die Bretter zu bekommen.

Ebenfalls erwähnenswert ist Sina an Brett 1. Eine tolle vergangene Saison an Brett 3 stellt ihn nun vor die Aufgabe mit Gutman, Schian, Giorgadze & Co. zu konkurrieren. Eine spannende Aussicht auf nächste Saison.“

Welche sportlichen Ziele habt ihr euch für die kommende Saison gesetzt? Gibt es eine Platzierung, mit der ihr am Ende zufrieden wärt?

„Mir ist bewusst, dass nach einer Saison, in welcher Auf- und Absteiger nur vier Mannschaftspunkte trennen, man durchaus träumen darf. Allerdings ist die Realität oft, dass wir leicht gegen den Abstieg spielen. Insbesondere im Anblick der Neuzugänge bei Hellern 2 und Lingen, dem Verbleib von Osnabrück und den starken Gegnern aus Logabirum lautet mein Fazit daher, dass eine solide Platzierung im (oberen) Mittelfeld ein gutes Saisonziel ist. Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, dass sie jedem Team in dieser Saison ernsthaft gefährlich werden kann, wenn man allerdings die Saison 25/26 als Mannschaft mit den zweitniedrigsten eingesetzten DWZ beendet, ist es auch etwas viel, direkt von Aufstiegszielen zu reden. Ich halte dies in 2-3 Jahren aber durchaus für realistisch. Ich hoffe zudem, dass wir so wenig mit dem Abstieg zutun haben, dass wir bereits vor den letzten beiden Spieltagen gegen Abstiegskandidaten Hellern 3 & Quakenbrück den Klassenerhalt sicher haben. Spätestens aber an diesen beiden Spieltagen sollten wir unsere Punkte sicher einfahren.“

Wie schätzt du die Lage der Liga in diesem Jahr ein? Gibt es Mannschaften, die du besonders stark erwartest?

„Die typischen Kandidaten hier sind Emden & Lingen (wie jedes Jahr), Logabirum als Absteiger, Osnabrück als verzichtender Aufsteiger, und Hellern 2, sofern deren Neuzugänge auch spielen. Osnabrück hat einen im Vergleich zu letzter Saison geschwächten Kader, bei dem es spannend bleibt, inwiefern die Mannschaft, welche letzte Saison durchgehend gewann, aber immer knapp (ausschließlich 4,5-3,5 oder 5-3), an die Konstanz vergangener Saison anknüpfen kann.“

Welche Rolle möchtest du als Mannschaftsführer einnehmen – sowohl am Brett als auch abseits davon?

„Ich möchte vor allem, dass die Mannschaft näher zusammen rückt, und jeder seine Stärken zeigen kann. Ich gebe alles, dass wir vollständig und motiviert Mannschaftskämpfe bestreiten, selbst wenn das heißen sollte, dass ich einen Spieltag aussetzen muss und nur emotionalen Support spiele. Ich hoffe am Brett natürlich an meine großartige letzte Saison anzuknüpfen, und hoffe, dass ich damit nicht alleine bin.“

Gibt es Spieler in der Mannschaft, bei denen du in dieser Saison besonders gespannt auf die Entwicklung bist?

„Ja, wie bereits erwähnt, bin ich gespannt, wie sich Sina mit dem abenteuerlichen Gegnerfeld an Brett 1 schlägt. Ebenfalls spannend ist die Entwicklung der relativ neuen Spieler Barakat und Kilian, hier sehe ich viel Potential. Generell finde ich allerdings auch immer wahnsinnig spannend, wie sich langjährige Mitglieder entwickeln, nicht selten sehen wir Spieler, die auch nach Jahrzehnten im Verein über ihren typischen Standard hinauswachsen können.“

Was muss passieren, damit du am Ende der Saison sagen kannst: „Das war eine richtig gute Saison für die Zweite?“

„Die Mannschaft sollte glücklich mit sich selber sein. Jeder sollte individuelle Ziele nicht verfehlen, ich würde gerne sowohl schachlichen als auch charakterlichen Entwicklungen mit Spannung entgegensehen, ebenfalls möchte ich wieder vermeiden, Freibretter zuzulassen. Ich halte den finalen Tabellenplatz hier für zweitrangig, solange wie keine Gefahr laufen, abzusteigen. Die Mannschaft ist in einer tollen Entwicklungsphase, in welcher ich lieber beobachte, wie sich ein Team entwickelt, was in 2-3 Jahren aufsteigt, als Erfolg jetzt daran zu definieren, ob wir Tabellenplatz 4 oder 6 erreichen.“

Veröffentlicht in Aktuell, Mannschaften.