Fast der ganz große Coup – Zweite bringt Tabellenführer ins Wanken

Nach einer bisher – weiterhin – gemischten, aber doch in Summe zufriedenstellenden Saison ging es für die zweite Mannschaft am Sonntag auswärts gegen die Ligaspitze Osnabrück, welche bereits vier Mannschaftpunkte Vorsprung auf den Ligazweiten pflegte. Eine nominell schwierige Ausgangslage, welche noch weiter erschwert wurde, nachdem eine Vielzahl von Krankmeldungen dazu führte, dass viele Reservespieler mobilisiert wurden – soweit, dass die dritte Mannschaft ihren Spieltag sogar verschieben musste. Man blickte also – zumindest auf dem Papier – einem deutlich stärkeren Gegner entgegen. Dennoch findet ein Schachspiel ja bekanntlich nicht auf dem Papier statt, und die zweite Mannschaft hat ein Talent, „Favoritenschreck“ zu spielen.

Der viel umkämpfte Spieltag fand sein erstes Resultat an Brett 6, an dem Michael mit dem mit 2118 ELO über 300 Punkte überlegenen Nenad Bonacic, welcher diese Saison bereits 4,5/5 hatte, erfolgreich die Stirn bot. Keine einfache Aufgabe, allerdings eine, welcher der in letzter Minute erst aufgestellte Michael mit Bravour absolvierte. 0,5:0,5.

An Brett 7 saß Tobias, welcher ebenfalls erst in der letzten Minute nachnominiert wurde, und tat sich mit einer hochtaktischen Position schwer. Sein über 200 Punkte stärkerer Gegner fuhr die Partie leider sicher zum Punktgewinn. 0,5:1,5.

An Brett 8 wiederum spielte Alfonso groß auf, überspielte seinen Gegner in einer tollen taktischen Partie und glich den Spielstand wieder aus. 1,5:1,5.

An Brett 5 hatte Tim ein kompliziertes Mittelspiel. In folgender Stellung lockte Tim seinen Gegner erfolgreich in die Variante 14… Lxf4 Lxf4 Ld3, welche auf den ersten Blick nach Materialgewinn für Schwarz aussieht. 

Tim hatte allerdings weitergerechnet: nach 14… Lxf4 Lxf4 Ld3 Sxb6 Ta6 Td1 Lb5 Lc7 sieht die Stellung für weiß sehr konstruiert aus, hält aber sicher einen Mehrbauern fest, da Schwarz die weißen Figuren nicht angreifen kann, und gleichzeitig mit c4 der Läufergewinn droht. Diese Evaluation erwies sich als richtig, sodass Tim schnell mit dem Läuferpaar und einem Mehrbauern ein Endspiel drückte. Leider wurde Tim allerdings in beidseitiger Zeitnot etwas gierig, folgende Position war auf dem Brett:

31. f4? Gewinnt zwar eine Figur, nach …h4 ist aber Sg3 unaufhaltbar. Die Partie endete nach 31. f4 h4 fxe5 Sg3 Lg1 Sf1+ mit Dauerschach und damit leider nur in einem Remis. 2:2

An Brett 1 musste sich Heiko leider dem Osnabrücker Neuzugang Sergey Serafimov geschlagen geben, welcher in der Live Ansicht eine Start-DWZ von 2399 (!) trägt. Schade darum, denn Heiko hatte zwischenzeitlich sogar eine Qualität mehr, wurde aber langsam in einer sehr komplexen Position überspielt. 2:3

An Brett 4 hatte Frank ein komplexes Spiel, in dem beide Parteien Gewinnchancen hatten und auch wieder hergaben. Im 37. Zug brach sein Gegner jedoch ein, Franks Druck sorgte für keinen fehlerhaften Zug, sondern schlichtweg keinen rechtzeitigen, wodurch Frank die Partie auf Zeit gewann. 3:3

An Brett 3 spielte Maik eine sehr solide Partie, welche nun Remis wurde. 3,5:3,5

An Brett 2 spielte Alvaro nun um alles oder nichts. Leider zeichnete sich hier bereits ab, dass sein Endspiel mit einem Bauern weniger dem Untergang geweiht war. Sein Gegner spielte die Partie solide runter, wobei es zwischenzeitlich zu Verwirrungen wegen eines Remisangebotes seines Gegners kam, zumindest dachten sämtliche Zuschauer, es gäbe dieses Angebot – schockierend beim Blick aufs Brett, noch schockierender, als Alvaro „weiterspielte“. Wie sich rausstellte, gab es dieses Remisangebot allerdings nie, das war lediglich ein Produkt der Gerüchteküche. 3,5:4,5

Zusammenfassend ist es natürlich schade, einen Mannschaftkampf so knapp zu verlieren. Wir können allerdings dennoch stolz auf unsere Leistung sein, es einem nominell völlig überlegenen Tabellenführer Osnabrück trotz unserer eigenen nominellen Schwächung so schwergemacht zu haben, und warten gespannt auf den Saisonabschluss, welcher aus den kommenden drei Spielen besteht.

(Bericht von Tim)